Raum und Bau

 



Schloss Albrechtsburg Meissen

Erläuterung

Derzeitige Situation

Ein Großteil der Gäste gelangt vom Torhaus kommend auf den Burgberg. Aus dieser Richtung nimmt der Besucher vor allem den Dom mit sei-nem zum Torhaus ausgerichteten Hauptportal sowie die touristisch gut erschlossene südliche Bebauung des Plateaus visuell wahr. Durch den städtebaulich mittigen Domstandort entsteht eine Teilung des Burgbergplateaus in zwei „gefangene“ Platzsituationen. Die Besucher sehen sich dadurch schon beim Betreten des Domvorbereichs zu einer Entscheidung über den weiteren Weg gezwungen. Aufgrund der Schattenwirkung des mächtigen Doms, der zurückgesetzten Einordnung des Schlosses und seiner derzeit von Ferne nicht erkenn-baren Eingangssituation, entgehen den Schlossmuseen eine Vielzahl von Besuchern.

Entwurf

Neuer Schlosszugang

Eine Neueinordnung des Schlosszugangs, durch die Verlagerung in Richtung Kornhaus, bewirkt eine größere Wahrnehmung des Eingangs, bereits vom Domvorplatz aus gesehen. Durch die Überhöhung des neuen Zugangs, mit einem frei vor die Fassade gestellten Element, wird ein perspektivisches Gleichgewicht der Eingänge von Dom und Schloss gebildet. Zudem trägt das neue Eingangselement durch seine zeitgemäße formale Gestaltung, im Kontrast zum Gesamtensemble, zur Verbesserung der Wahrnehmung für die Besucher bei. Vor die in der Historie mehrfach überformte Giebelfassade (Trennwand zum ehem. Brennhaus) ordnet sich das deutlich der Gegenwart zuzuschreibende Ein-gangselement neu ein und schreibt die bauliche Entwicklung der Gesamtanlage fort.
In seiner Dimension und Proportion nimmt der neue Eingang Bezug auf die vorhandene Fassaden-gliederung und schafft einen Spannungsbogen zwischen der anzustrebenden visuellen Hervor-hebung und zugleich einer angemessenen Zurück-haltung gegenüber dem herausragenden Kultur-denkmal und seiner Schlossfassade. Das Material des Eingangs lässt durch seine transluzente Aus-führung die dahinterliegende Fassadengliederung erkennen. Das Platzniveau wird im Bereich des ehemaligen Brennhauses zum Eingang hingeführt und überwindet den Höhenunterschied zur neuen, großzügigen Foyerhalle mit Shop, Café und Kasse. Die den Höhenunterschied überwindenden und in Richtung Dom auslaufenden Stufen markieren die ehemalige Außenwand des Brennhauses.

Freilegung historische Treppenanlage

Zweiter Kernpunkt des Entwurfes ist die Rückführung der zur Stadt führenden Treppe auf ihr historisches Maß.
Derzeit wird das Erdgeschoss durch diese Treppe zweigeteilt und verhindert dadurch die logische Abfolge der Wegebeziehungen zwischen den Funktionen. Die Konzentration der Funktionen Zugang/Kasse/Shop und der Querung in die Ausstellungen führen zu einer räumlich unbe-friedigenden, engen Situation. Durch vergangene Umbauten und der Verlagerung der Treppe in Richtung Stadt, wurde eine räumliche Einengung des Treppenraumes erzeugt.
Die Einordnung des neuen Haupteingangs er-möglicht eine Rückführung der Treppen- und Durchgangssituation. Dadurch wird eine Ent-flechtung der Funktionen erreicht.
Es wird vorgeschlagen, die Treppenanlage als Durchgang zur Stadt dauerhaft offen zu gestalten. Mit einem zum Treppenhaus hin verglasten „Museumsschaufenster“ wird ein öffentlich-keitswirksamer inter¬ner Übergang zur Wechsel-ausstellung realisiert. Die Rückführung der Treppe in Richtung Schlosshof wertet das Treppenhaus räumlich auf.

Raum- und Funktionsstruktur

Vom großzügigen neuen Foyer aus sind alle Funktionen für den Besucher direkt erreichbar. Das Entree übernimmt dabei eine zentrale Ver-teilerfunktion und Bündelung der Wegeführungen. Der Auf- und Abgang vom kleinen Wendelstein sowie der Zugang zur Wechselausstellung beziehen sich auf den Foyertresen. Eine wirtschaftliche Aufwertung der für den Schlossbetrieb wichtigen Funktionen wie Kasse, Shop und Café wird erreicht und die zentrale Zugangskontrolle ermöglicht. Das Museumscafé erhält zudem einen direkten Bezug zum Freibereich und präsentiert die Öffentlichkeit des Museumsbetriebs über seine Fernwirkung bis zum Domvorplatz. Über ein neues Podest mit großzügiger Treppenanlage im Versammlungs-bereich sind alle Ebenen an den Aufzug angebunden und mit dem Rollstuhl erreichbar. Die im Erdgeschoss bisher vorhandenen Büros werden neu eingeordnet, dadurch wird ein zusammen-hängender Ausstellungsbereich geschaffen. Unter-halb des Foyers und direkt über dieses erreichbar, ist ein neuer Bereich für die Museumspädagogik mit zugehörigem Büro eingeordnet.

Baujahr
2008-2010

Baukosten
2,9 Mio. Euro

Auftraggeber
Sächsisches Immobilien- und Baumanagement
Freistaat Sachsen

Wettbewerb
1. Rang

Schloss Albrechtsburg